Oremus pro Pontifice nostro Franzisco.

Dominus conservet eum et vivificet eum

et beatum faciat eum in terra et

non tradat eum in animam inimicorum eius.

Samstag, 8. Juli 2017

Wahre Loyalität - Papsttreue erklärt unter Bezug auf Thorin Eichenschild und Bilbo

Zugegeben, so ganz habe ich die Linie noch nicht finden können. Es ist ja nicht gerade eine einfache Situation durch die ich mich wie viele andere durch Papst Franziskus gebracht sehe. Denn es ist ein nicht unbeträchtlicher Loyalitätskonflikt, weil sich eine Divergenz aufgetan hat zwischen sehr klaren Aussagen des Evangeliums und Aussagen dessen, der von seinem Amt her die höchste Deutungshoheit darüber hat. Es hat schon zahlreiche Versuche gegeben, die bestehenden Risse zu mörteln und  zu kitten. Nicht zuletzt durch den bisherigen Präfekten der Glaubenskongregation, dem dafür nun auf recht denkwürdige Weise der Lohn gegeben wurde. Wie die Treue halten angesichts sich vermehrender realer Schäden und Unglaubwürdigkeiten, die durch mangelnde Übereinstimmung von Worten und Taten des hohen Kirchenfürsten entstehen?

Vielleicht hilft ein Blick auf Tolkiens Geschichte von Bilbo Beutlin und Thorin Eichenschild:
Thorin ist ein Zwergenfürst, einer der wegen seines Mutes, seiner Unangepasstheit und seines Einsatzes gerade für diejenigen seines Volkes, die alles verloren haben der Respekt und die Liebe seiner Gefolgsleute gehört. Eigentlich ist Thorin König über alle Zwerge, leider fehlt ihm das Symbol seiner Macht, der Arkenstein. Der liegt in seinem verlorenen Herrschersitz, Erebor, und ein Drache sitzt darauf. Bei den Bemühungen, an das Juwel zu kommen, sind Thorin und Bilbo Freunde geworden. Bilbo findet den Arkenstein zuerst. Und er gibt ihn nicht an Thorin. Denn mit diesem ist etwas Erschreckendes geschehen, als er Erebor erreicht hat und der Drache durch andere getötet wird: der edle Thorin verfällt dem Rausch der Macht und des Goldes. Er verweigert die Herausgabe von Schätzen, die ihm nicht gehören. Er verweigert sich Mitgefühl und Barmherzigkeit gegenüber Notleidenden. Er bricht sein Wort, auf das man vorher hätte bauen können, weil ihn nur noch die Gier beherrscht.  Und der Arkenstein, der noch mehr Loyalität an Thorin binden würde, würde einen unsinnigen und unnötigen Krieg auslösen. - Bilbo gibt den Arkenstein denen, die berechtigte Ansprüche gegen Thorin haben, damit diese ein Mittel haben, um sie ohne Krieg zu verfechten und kehrt zu Thorin zurück, um an dessen Seite zu bleiben. Thorin ist zunächst außer sich über den Verrat, kommt aber später zur Besinnung und bestätigt: "Nur ein wahrer Freund tut, was du getan hast."

Bilbo war auch in einem schwierigen Loyalitätskonflikt. Nicht nur, dass ihn ein Vertrag an Thorin band, er ist diesem auch persönlich verbunden und leidet unter dessen Persönlichkeitsänderung. Denn Thorin ist dabei, sich selbst und alles, was ihm wichtig war zu zerstören. Laut seinem Vertrag hat Bilbo das Anrecht auf den 14. Anteil des Schatzes. Er beschließt, den Arkenstein als diesen 14. Anteil zu betrachten und selbst darauf zu verzichten, um einen Krieg zu verhindern, Recht werden zu lassen und denen in Not zu helfen.  Dazu muss er sich erst einmal Thorins klarer Anordnung widersetzen und ihm das Juwel "stehlen". Und zwar auf eine Weise, dass Thorin das für ihn wichtige Juwel sofort in seinen Besitz nehmen kann, wenn er sich wieder an das Recht anderer und den Wert seines Wortes erinnert. Ein geringer Preis für Thorin sollte man denken. Aber dieser ist zunächst verblendet und tobt über den Verrat aus seiner Sicht.

Betrachten wir also einmal die Lage mit Kardinal Jorge Maria Bergoglio, nun Papst Franziskus. Der Kardinal war immer eigenwillig und liebte es, durch sein gegen andere sich abhebendes Verhalten hervorzustechen, sein Verstand war scharf, seine Liebe zur Kirche groß und sein Einsatz für Arme und Bedrängte beeindruckend.

Vielleicht hilft es, hier gleich einmal nach Videos zu suchen, die ihn als Kardinal Bergoglio und jetzt als Papst zeigen. Darauf fällt einiges auf: eine Änderung der Sprache in Artikulation und Stil, eine Änderung der Bewegungen. Natürlich, das Alter. Und wir konnten ja erleben, wie die Sprache Johannes Paul II durch seine Erkrankung immer undeutlicher wurde, während sein Verstand scharf blieb. Keine Beobachtung taugt hier allein für sich.
Jedoch ist es vielleicht zu bedenken, dass das zunehmende Alter auch bei Päpsten einmal - wir können es schon geradezu wundersam nennen, wie wenig das in den letzten zwei Jahrhunderten der Fall war - sich auch auf die Schärfe des Verstandes und des Urteilsvermögens auswirken könnte.

Es wurde bemerkt, dass es kein freies Gespräch mehr mit den neu kreierten Kardinälen dieses Jahres gab. Man kann da etwas bis zum Januar zurückverfolgen. Da war meines Wissens die letzte freie Predigt des Papstes beim Gottesdienst zur Taufe des Herrn. Die Kommentatoren spielten darüber hinweg, aber er verlor dabei sichtbar den Faden und schaffte kaum noch den Bogen zu einem halbwegs schlüssigen Ende. Dazwischen Reminiszenzen wie goldig es ist, wenn Babies weinen und einmal mehr die Aufforderung, die Mütter sollten ihre Kinder doch ruhig im Gottesdienst stillen. (Ahem. Ja. Vor laufender Kamera mit Übertragung weltweit beim besonders festlichen Anlass in der Sixtinischen Kapelle ...) Seitdem herrschen Skripte vor, die auf weiten Strecken keinen Bergoglio-Sprachstil erkennen lassen und offenbar gab es sogar ein gründliches Coaching vor Flugzeuginterviews, wie man auf manche Fragen klugerweise besser nicht eingeht.

Ich war ehrlich gesagt erleichtert, dass jemand den Fettnäpfchenparcours in den Griff zu bekommen schien, denn die Außenwirkung des Papstamtes ist bedeutend und es macht sich nicht so sonderlich gut, zu demonstrieren, wie scharf das Denken hier möglicherweise noch ist oder auch nicht. Ich bin alles andere als froh, wenn ich Anlass habe, etwas zu problematischen Aussagen und Handlungen meines Kirchenoberhauptes zu schreiben. Ich würde ungeheuer gerne, einfach loyal sein und kleine Fehler mit ausbügeln und Unschärfen glätten.

Leider haben die jüngsten Ereignisse gezeigt, dass diejenigen, die den Papst zu einem gewissen Grad im Griff zu haben scheinen, einen sehr problematischen Weg zu verfolgen scheinen. Ich verweise einmal auf diesen Blog  zur Frage der Personalentscheidungen, von denen es ja noch einige mehr zu nennen gäbe. Es wird nicht nur gegen den normal menschlichen Anstand sondern auch gegen Kirchenrecht verstoßen - so dass man eigentlich von Willkür sprechen muss oder von großem Unverstand der Verantwortlichen. Womit ich die Berater meine und nicht den, der auf sie angewiesen ist.

Und bei solchem Unverstand und den sich weltweit in der Kirche mehrenden Schäden, die dadurch entstehen, dass Strukturen der Kurie regelrecht entkernt werden, ohne dass ein guter Neuaufbau stattfindet, so dass der Vatikan immer mehr einer Baustelle gleicht, durch die etliche seiner ehemaligen Bewohner halb heimatlos irren. Weil das, was Papst Franziskus predigt für alle Welt sichtbar im Widerspruch zu seinem Handeln und Umgang mit anderen steht und das Vorurteil verstärkt, die Kirche stehe nur für Heuchelei, kann es nicht loyal sein zu schweigen.Und wen wundert es, wenn da so mancher der Demonstration der als Heuchelei wahrgenommenen Widersprüche begeistert applaudiert.
Auch sind die ersten Versuche, die Unklarheiten mit dem Betroffenen unter vier Augen zu klären, zum Teil verweigert worden, zum Teil gescheitert. Der nächste Schritt, die Klärung unter Anwesenheit von Zeugen zu suchen, scheint auch nicht erfolgreich zu sein.

Irgendwann bleibt als letzter Schritt nur das öffentliche Einstehen für die Wahrheit. So schmerzlich es ist, wird gerade das von echter Loyalität gefordert sein.

Warum nun hat der Heilige Geist diese Lage zugelassen? Es ist ja so, dass einige Kardinäle ihre Wahl inzwischen als Fehleinschätzung der Person beklagen.
Ich meine, wir müssen unsere Bilbo-Lösung für das Problem noch finden. Die erste Versuchung ist es, über den Papst zu schimpfen und selbst Loyalität und den Gehorsam - da wo er möglich ist - zu verweigern, und diese protestierend protestantische Haltung kann nicht die Lösung sein.

Probleme müssen benannt werden können. Aber ohne selbst das Recht zu brechen.
Richtigstellungen bzw. Anmerkungen zu Aussagen sind nicht nur erlaubt sondern auch notwendig. Aggressionen gegen die Person sind es nicht. Auch dann nicht, wenn die Person in Autoritä selbst sich ungerecht verhalten sollte

Es ist eine große Herausforderung, die Mut und Demut verlangt, die helfen kann mit eigenen Bequemlichkeiten und unguten Kompromissen zu brechen. Beten wir um Weisheit!

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen