Oremus pro Pontifice nostro Franzisco.

Dominus conservet eum et vivificet eum

et beatum faciat eum in terra et

non tradat eum in animam inimicorum eius.

Samstag, 8. Juli 2017

Wahre Loyalität - Papsttreue erklärt unter Bezug auf Thorin Eichenschild und Bilbo

Zugegeben, so ganz habe ich die Linie noch nicht finden können. Es ist ja nicht gerade eine einfache Situation durch die ich mich wie viele andere durch Papst Franziskus gebracht sehe. Denn es ist ein nicht unbeträchtlicher Loyalitätskonflikt, weil sich eine Divergenz aufgetan hat zwischen sehr klaren Aussagen des Evangeliums und Aussagen dessen, der von seinem Amt her die höchste Deutungshoheit darüber hat. Es hat schon zahlreiche Versuche gegeben, die bestehenden Risse zu mörteln und  zu kitten. Nicht zuletzt durch den bisherigen Präfekten der Glaubenskongregation, dem dafür nun auf recht denkwürdige Weise der Lohn gegeben wurde. Wie die Treue halten angesichts sich vermehrender realer Schäden und Unglaubwürdigkeiten, die durch mangelnde Übereinstimmung von Worten und Taten des hohen Kirchenfürsten entstehen?

Vielleicht hilft ein Blick auf Tolkiens Geschichte von Bilbo Beutlin und Thorin Eichenschild:
Thorin ist ein Zwergenfürst, einer der wegen seines Mutes, seiner Unangepasstheit und seines Einsatzes gerade für diejenigen seines Volkes, die alles verloren haben der Respekt und die Liebe seiner Gefolgsleute gehört. Eigentlich ist Thorin König über alle Zwerge, leider fehlt ihm das Symbol seiner Macht, der Arkenstein. Der liegt in seinem verlorenen Herrschersitz, Erebor, und ein Drache sitzt darauf. Bei den Bemühungen, an das Juwel zu kommen, sind Thorin und Bilbo Freunde geworden. Bilbo findet den Arkenstein zuerst. Und er gibt ihn nicht an Thorin. Denn mit diesem ist etwas Erschreckendes geschehen, als er Erebor erreicht hat und der Drache durch andere getötet wird: der edle Thorin verfällt dem Rausch der Macht und des Goldes. Er verweigert die Herausgabe von Schätzen, die ihm nicht gehören. Er verweigert sich Mitgefühl und Barmherzigkeit gegenüber Notleidenden. Er bricht sein Wort, auf das man vorher hätte bauen können, weil ihn nur noch die Gier beherrscht.  Und der Arkenstein, der noch mehr Loyalität an Thorin binden würde, würde einen unsinnigen und unnötigen Krieg auslösen. - Bilbo gibt den Arkenstein denen, die berechtigte Ansprüche gegen Thorin haben, damit diese ein Mittel haben, um sie ohne Krieg zu verfechten und kehrt zu Thorin zurück, um an dessen Seite zu bleiben. Thorin ist zunächst außer sich über den Verrat, kommt aber später zur Besinnung und bestätigt: "Nur ein wahrer Freund tut, was du getan hast."

Bilbo war auch in einem schwierigen Loyalitätskonflikt. Nicht nur, dass ihn ein Vertrag an Thorin band, er ist diesem auch persönlich verbunden und leidet unter dessen Persönlichkeitsänderung. Denn Thorin ist dabei, sich selbst und alles, was ihm wichtig war zu zerstören. Laut seinem Vertrag hat Bilbo das Anrecht auf den 14. Anteil des Schatzes. Er beschließt, den Arkenstein als diesen 14. Anteil zu betrachten und selbst darauf zu verzichten, um einen Krieg zu verhindern, Recht werden zu lassen und denen in Not zu helfen.  Dazu muss er sich erst einmal Thorins klarer Anordnung widersetzen und ihm das Juwel "stehlen". Und zwar auf eine Weise, dass Thorin das für ihn wichtige Juwel sofort in seinen Besitz nehmen kann, wenn er sich wieder an das Recht anderer und den Wert seines Wortes erinnert. Ein geringer Preis für Thorin sollte man denken. Aber dieser ist zunächst verblendet und tobt über den Verrat aus seiner Sicht.

Betrachten wir also einmal die Lage mit Kardinal Jorge Maria Bergoglio, nun Papst Franziskus. Der Kardinal war immer eigenwillig und liebte es, durch sein gegen andere sich abhebendes Verhalten hervorzustechen, sein Verstand war scharf, seine Liebe zur Kirche groß und sein Einsatz für Arme und Bedrängte beeindruckend.

Vielleicht hilft es, hier gleich einmal nach Videos zu suchen, die ihn als Kardinal Bergoglio und jetzt als Papst zeigen. Darauf fällt einiges auf: eine Änderung der Sprache in Artikulation und Stil, eine Änderung der Bewegungen. Natürlich, das Alter. Und wir konnten ja erleben, wie die Sprache Johannes Paul II durch seine Erkrankung immer undeutlicher wurde, während sein Verstand scharf blieb. Keine Beobachtung taugt hier allein für sich.
Jedoch ist es vielleicht zu bedenken, dass das zunehmende Alter auch bei Päpsten einmal - wir können es schon geradezu wundersam nennen, wie wenig das in den letzten zwei Jahrhunderten der Fall war - sich auch auf die Schärfe des Verstandes und des Urteilsvermögens auswirken könnte.

Es wurde bemerkt, dass es kein freies Gespräch mehr mit den neu kreierten Kardinälen dieses Jahres gab. Man kann da etwas bis zum Januar zurückverfolgen. Da war meines Wissens die letzte freie Predigt des Papstes beim Gottesdienst zur Taufe des Herrn. Die Kommentatoren spielten darüber hinweg, aber er verlor dabei sichtbar den Faden und schaffte kaum noch den Bogen zu einem halbwegs schlüssigen Ende. Dazwischen Reminiszenzen wie goldig es ist, wenn Babies weinen und einmal mehr die Aufforderung, die Mütter sollten ihre Kinder doch ruhig im Gottesdienst stillen. (Ahem. Ja. Vor laufender Kamera mit Übertragung weltweit beim besonders festlichen Anlass in der Sixtinischen Kapelle ...) Seitdem herrschen Skripte vor, die auf weiten Strecken keinen Bergoglio-Sprachstil erkennen lassen und offenbar gab es sogar ein gründliches Coaching vor Flugzeuginterviews, wie man auf manche Fragen klugerweise besser nicht eingeht.

Ich war ehrlich gesagt erleichtert, dass jemand den Fettnäpfchenparcours in den Griff zu bekommen schien, denn die Außenwirkung des Papstamtes ist bedeutend und es macht sich nicht so sonderlich gut, zu demonstrieren, wie scharf das Denken hier möglicherweise noch ist oder auch nicht. Ich bin alles andere als froh, wenn ich Anlass habe, etwas zu problematischen Aussagen und Handlungen meines Kirchenoberhauptes zu schreiben. Ich würde ungeheuer gerne, einfach loyal sein und kleine Fehler mit ausbügeln und Unschärfen glätten.

Leider haben die jüngsten Ereignisse gezeigt, dass diejenigen, die den Papst zu einem gewissen Grad im Griff zu haben scheinen, einen sehr problematischen Weg zu verfolgen scheinen. Ich verweise einmal auf diesen Blog  zur Frage der Personalentscheidungen, von denen es ja noch einige mehr zu nennen gäbe. Es wird nicht nur gegen den normal menschlichen Anstand sondern auch gegen Kirchenrecht verstoßen - so dass man eigentlich von Willkür sprechen muss oder von großem Unverstand der Verantwortlichen. Womit ich die Berater meine und nicht den, der auf sie angewiesen ist.

Und bei solchem Unverstand und den sich weltweit in der Kirche mehrenden Schäden, die dadurch entstehen, dass Strukturen der Kurie regelrecht entkernt werden, ohne dass ein guter Neuaufbau stattfindet, so dass der Vatikan immer mehr einer Baustelle gleicht, durch die etliche seiner ehemaligen Bewohner halb heimatlos irren. Weil das, was Papst Franziskus predigt für alle Welt sichtbar im Widerspruch zu seinem Handeln und Umgang mit anderen steht und das Vorurteil verstärkt, die Kirche stehe nur für Heuchelei, kann es nicht loyal sein zu schweigen.Und wen wundert es, wenn da so mancher der Demonstration der als Heuchelei wahrgenommenen Widersprüche begeistert applaudiert.
Auch sind die ersten Versuche, die Unklarheiten mit dem Betroffenen unter vier Augen zu klären, zum Teil verweigert worden, zum Teil gescheitert. Der nächste Schritt, die Klärung unter Anwesenheit von Zeugen zu suchen, scheint auch nicht erfolgreich zu sein.

Irgendwann bleibt als letzter Schritt nur das öffentliche Einstehen für die Wahrheit. So schmerzlich es ist, wird gerade das von echter Loyalität gefordert sein.

Warum nun hat der Heilige Geist diese Lage zugelassen? Es ist ja so, dass einige Kardinäle ihre Wahl inzwischen als Fehleinschätzung der Person beklagen.
Ich meine, wir müssen unsere Bilbo-Lösung für das Problem noch finden. Die erste Versuchung ist es, über den Papst zu schimpfen und selbst Loyalität und den Gehorsam - da wo er möglich ist - zu verweigern, und diese protestierend protestantische Haltung kann nicht die Lösung sein.

Probleme müssen benannt werden können. Aber ohne selbst das Recht zu brechen.
Richtigstellungen bzw. Anmerkungen zu Aussagen sind nicht nur erlaubt sondern auch notwendig. Aggressionen gegen die Person sind es nicht. Auch dann nicht, wenn die Person in Autoritä selbst sich ungerecht verhalten sollte

Es ist eine große Herausforderung, die Mut und Demut verlangt, die helfen kann mit eigenen Bequemlichkeiten und unguten Kompromissen zu brechen. Beten wir um Weisheit!

Sonntag, 2. Juli 2017

Was Papst Franziskus wohl von Johannes dem Täufer hält?

Johannes der Täufer war mir immer befremdlich. Sicher auch Jesus konnte recht schroff sein, aber sein fast gleichaltriger Cousin Johannes, der war nur eckig, kantig, herb, schroff, unverständlich. Ich vermute, das schien mir immer so, weil ich in einer Zeit aufgewachsen bin, in der nur eine Soft-Version des Evangeliums vermittelt wird.

Irgendwann stellte ich völlig überrascht fest, dass sein Hochfest eines der wichtigsten im Kirchenjahr ist, mit eigener Liturgie für den Vorabend. Das geschah natürlich nicht innerhalb einer Pfarrei; dort kann man von Glück sagen, wenn es überhaupt eine Messe an seinem Gedenktag gibt und nicht wichtigere pastorale Anliegen Vorrang haben. Sicher hatte ich durchaus gelesen, dass Jesus einmal gesagt hat, dass es unter den Menschen keinen Größeren als Johannes gebe, und das bezog sich wohl, auf die Konsequenz und Leidenschaft mit der er alles, was er war und hatte einsetzte, um zu verkünden, was der Wille Gottes für sein Volk ist. Heftiger als er konnte man es den Menschen wohl kaum präsentieren - und viele hörten hin und änderten ihr Leben. Ich vermute, weil er auch lebte, was er sagte. Allerdings waren die, die hinhörten "das Volk", die einfachen Leute. Bei dem hohen Klerus war Johannes eher unbeliebt, wie wir in den Evangelien nachlesen können. Man hielt sich dort nur in der Kritik zurück, weil die einfachen Leute die Heiligkeit des Täufers erkannt hatten und eine offene Opposition so einiges über den geistlichen Zustand der religiösen Führer offenbart hätte, was zu großer öffentlicher Empörung geführt hätte.

Und dann geriet Johannes mit einem Paar aneinander, das die Zustimmung des Volkes nicht brauchte, weil es nur von der Gnade der Besatzungsmacht abhängig war. König Herodes und seine Frau Herodias, beide geschieden und wiederverheiratet. Hierbei war Herodes der, der durchaus ein schlechtes Gewissen dabei hatte. Er wusste sehr wohl, dass er seiner ersten Frau großes Unrecht getan hatte. Aber die Leidenschaft war zu groß. Nicht so Herodias. Man kann vermuten, dass ihre erste Ehe nicht gerade glücklich war und es an ihrem Ehemann so einiges zu bemängeln gab. Sie hatte die Mängel behoben und da erfrechte sich dieser hergelaufene Prediger, sie dafür zu kritisieren und zu verlangen, sie müsse aufgeben, was sie sich so redlich verdient hatte. Also sorgte sie dafür, dass dieser Schreier für immer zum Schweigen gebracht wurde.

Johannes gilt daher als Märtyrer. Er wurde getötet, weil er jemand, der es nicht hören wollte, die Wahrheit Gottes entgegenhielt. Ganz ungeschminkt, wie es seine Art war. Ohne Abmilderungen oder Verständnis zu zeigen für eventuelle mildernde Umstände. Man kann wohl sagen, seine Worte waren wie Felsen, die er auf die glücklich Wiederverheiratete geworfen hat. Sein Denken war 100 % dem Gesetz verpflichtet, also legalistisch. Für ihn gab es nur Schwarz oder Weiß, keine verbindlichen Grauzonen.

Kurzum, wenn man dem so folgt, was der derzeitige Papst sagt, hat Johannes es völlig falsch gemacht, sich pharisäisch verhalten (obwohl diese ja vorsichtig schwiegen), sich unpastoral geäußert und in keiner Weise die neu entstandene stabile Verbindung mit Wertschätzung gewürdigt.

Ich frage mich ernsthaft, wie würde Papst Franziskus Johannes dem Täufer entgegentreten?
Kann er überhaupt guten Gewissens dieses Hochfest begehen?
Kann er zustimmen, dass Johannes ein Heiliger und was sein Vorbild angeht der Größte unter den Gottgetreuen war?

Wo ist der Sinn?

Ich kann nichts zu der Lage anderer Leute sagen sondern nur zu meiner eigenen. Die ist nicht besonders angenehm. Natürlich überlege ich auch, warum mich seit nun zwei Jahren ein Tiefschlag nach dem anderen trifft.
Ich rekapituliere kurz: Vor zwei Jahren hatte ich nach einem guten Beichtgespräch eine innere Heilung und seitdem wieder die Kraft, etwas die Muskulatur zu trainieren. Ich ging fast täglich eine knappe Stunde und fing an, kleinere Stufen wieder meistern zu können. Dann kam der September und unerklärliche Lähmungserscheinungen traten auf, die auf eine Überlastung mit Muskel- und Nervengas zur Holzbekämpfung in der Kirche zurückzuführen waren. Mein ohnehin kranker Organismus konnte das nicht wie ein gesunder ausscheiden und nachdem alles Fettgewebe als Speicher aufgebraucht war, kam es direkt zu Lähmungen. Noch jetzt brauche ich keine Waage, um festzustellen, ob ich weiter abnehme. Der Fettgewebeabbau sorgt dann für eine Toxinfreisetzung, die sich in morgendlicher Lähmung des Schließmuskels manifestiert (Ausscheidung über den Urin). Wegen der neuen Symptomatik war ich in der Rheumaklinik und ließ mich überzeugen, es mit Methotrexat zu versuchen. Die Dosis war moderat aber für mich zu stark. Die Entzündungswerte sanken rapide aber dafür kam es infolge Folsäuremangels zu Nervenstörungen. Ich hatte plötzlich eine Dauerischialgie und (noch nie vorher gehabt) Migräneanfälle mit Aura. Die Ambulanz reagierte nicht auf erste Rückmeldungen, ich halbierte die Dosis selbst und die Nervenstörungen hörten auf. Aber da hatte der Abszess, der meine aktuellen Probleme verursacht hat, wohl schon angefangen sich zu bilden. Jedenfalls eiterte es seit September aus dem Zahnfleisch und der Zahnarzt konnte nichts finden.

Nun, ich überlegte ernsthaft, ob da auch so etwas wie ein Fluch mit im Spiel sein könnte. (Manche von Ihnen meinen sicherlich, so etwas gebe es nicht.) Etwas brachte mir in Erinnerung, dass ich vor vielen Jahren einer Verwandten, die sehr spiritistisch ist, einen Blutstropfen für Analysezwecke überlassen hatte. Diese hatte den immer noch, erklärte sich aber bereit, den jetzt zu vernichten. - Wie dem auch sei, seitdem erholt sich mein geistliches Leben:
Ich habe immer gebetet, fast täglich Laudes und Vesper und auch sonst ein paar kurze an Gott gerichtete Sätze aber es war ein ständiger Kampf. Mit dem Rosenkranz wollte es so gar nicht gehen und auch die 5-10 Minuten tägliche Zeit für freies Gebet war weggebrochen. In der Bibel zu lesen konnte ich mich seltenst aufraffen. Plötzlich geht es wieder und zwar ohne Mühe und Aufwand. - Es war auch vorher keine Frage der Zeit, die war durchaus vorhanden. Nur jetzt sind Widerstände weg.

Ganz nutzlos war ich auch nicht. Kurz vor dem Treppensturz kam eine etwas verzweifelte Anfrage, ob ich ein Kapitel für ein Buch übersetzen könne (kostenlos natürlich ....). Zwei Übersetzer waren ausgefallen und der Drucktermin war in zwei Wochen. Es ging um die katechetische Arbeit von Pfarrer James Mallon in Halifax. Neue erfolgversprechende Ansätze für Katechese. Das sehr interessante Buch sollte jetzt auf den Markt kommen. Etwa nach der Hälfte der Arbeit kam der Sturz und den Rest schrieb ich halb gelähmt durch Prellungen, weil die Zeit einfach ausging. Kurz darauf ereilte Johannes S., der die Herausgabe organisierte, ein Schlaganfall. - Irgendwie war es tröstlich, dass ich auch in meinem lädierten Zustand noch für etwas tauge.

Ich habe jede Menge fromme Bilder aber irgendwie war keines strategisch in unmittelbarer Bettnähe platziert gewesen. Da kam vor gut einem Monat ein Abdruck des neuen Gemäldes von Triegel für eine Würzburger Kirche gerade ideal. Ich schnitt es aus und klebte es genau in mein Blickfeld. Das ist die einzige Erinnerung, die es brauchte. Seit ich davor anfing, mich täglich kurz mit dem Herrn zu unterhalten. Im Bett sitzend, was neben dem Sofa momentan meine einzige Option ist, fingen Dinge an sich zu klären.

Es kann sein, dass ich noch Monate festsitze und wenig machen kann, das hängt ganz von der Halswunde ab, aber das ist auch eine Chance mein geistliches Leben wieder neu aufzubauen. Vielleicht gibt Gott mir so eine Chance. Ich war ja immer tätig bis zur Grenze der Erschöpfung mit der Arbeit (freiberuflich daher jetzt keine Rente oder sonstige Hilfen), für meinen kleinen Neffen (der jetzt pubertiert und seitdem ich nicht mehr aktiv mit ihm spielen kann, mich gar nicht mehr beachtet), für katechetische Tätigkeiten (die musste ich schon vor zwei Jahren aufgeben, weil die Kraft nicht mehr reichte).

So richtig klar, was mir verloren gegangen war über all dem, wurde es mir dann in diesem Zusammenhang: Ein befreundeter Priester besuchte mich in der Fastenzeit dieses Jahr und feierte die heilige Messe mit mir (eine von zwei, an denen ich in diesem Jahr bisher direkt teilnehmen konnte, die andere war im Krankenhaus nach der Not-OP). Er schlug vor, wir sollten konkret doch Josef Engling um Fürsprache bitten, um dessen Seligsprechung sich die Schönstadtbewegung bemüht. Mein desolater Zustand wäre ausreichend dokumentiert um eine Heilung durch ein Wunder plausibel zu machen. Jedenfalls überließ er mir dann auch ein paar der Texte von und zu Josef Engling, damit ich diesen erst einmal kennen lernen konnte. Das war ein junger Mann, der Priester werden wollte aber dann in den Ersten Weltkrieg musste. In den letzten Wochen vor seinem Tod dort wuchs er sehr in geistlicher Beziehung, was in seinen Tagebüchern dokumentiert ist. Ich denke Gott hat ihn so perfekt zu sich genommen, wie Josef Engling nur werden konnte. Es hat mich erinnert, wie intensiv mein eigenes Gebetsleben einmal war gegen Ende der Studienzeit, bevor verschiedenste Dinge anfingen, es immer mehr zu ersticken. Das ist auf jeden Fall eine gute Frucht des Ganzen.

Ich warte also weiter geduldig auf Besserung, gehe davon aus, dass Gott schon weiß, was er tut, wenn er mich in so eine schwierige Situation wie die jetzige bringt und hoffe mich auch hier wieder dauerhaft regelmäßig zu melden.

Loch im Hals

Zuerst einmal eine Erklärung, warum ich jetzt solange verschwunden war; leider hat es mich gesundheitlich schwer erwischt. Bei der vermeintlichen Angina von Ende 2016 half das Antibiotikum zunächst, dann ließ die Wirkung nach. Das zweite stärkere Antibiotikum wirkte genauso, bis es nicht mehr wirkte. Nach der Einweisung ins Krankenhaus kam eine sofortige Not-OP. Durch mein immunsuprimierendes Rheumamedikament hatte sich über der Schilddrüse ein inzwischen faustgroßer Abszess gebildet; die halbe Schilddrüse wurde mitentfernt. Das war sauber zugenäht und die Heilung verlief angeblich tadellos, obwohl sich sehr viel Exsudat bildete, das zweimal punktiert wurde in den Folgewochen. Aber unter der Naht fand keine Wundheilung statt. Der Körper versuchte sich zu helfen und begann die Wunde neu zu öffnen; auch kam es zu etlichen Schwindelanfällen. Einer davon ereilte mich am oberen Ende einer 13-stufigen Treppe, die ich rückwärts hinunterfiel. Wie durch ein Wunder kam ich ohne Brüche davon, allerdings war ich durch die Prellungen zusätzlich sehr eingeschränkt. Danach verstärkte sich die Wiederöffnung der Wunde an der Kehle. Ich war 12 Tage im Krankenhaus und wurde zur häuslichen Wundversorgung entlassen, für die ein Pflegedienst kommt. Das Loch war 7 mal 5 cm groß und 2 cm tief und zeigte zunächst keine Heiltendenzen. Es verhindert, dass ich mich gerade aufrichten kann und bei Schreibarbeiten kommt es sehr schnell zu Nackenkrämpfen.
Nun war ich ja schon durch meine Polymyositis stark gehbehindert und hatte eigentlich Ende Dezember mit dem Muskelaufbau anfangen wollen, da das Rheumamedikament die Muskelentzündung endlich in den Griff bekommen hatte. Stattdessen verschlechterte sich alles durch den Bewegungsmangel und die Prellungen schränkten zusätzlich ein. Das Medikament musste ich absetzen, weil es die Wundheilung verhindert. Zudem habe ich jetzt noch Angstanfälle an Treppen und die schon erwähnten Schwindelanfälle durch die Halswunde. Krankengymnastik bräuchte ich zuhause, aber keiner mag kommen, weil die Praxen ausgebucht sind und der Aufwand für Hausbesuche zu unbequem ist.
Um eine Reha für die Muskulatur zu beantragen, müsste ich mich über eine Rheumatologische Klinik einweisen lassen, aber ich kann das Rheuma nicht neu behandeln lassen, solange die Halswunde nicht weitgehend verheilt ist.
Zum Glück wird das Loch im Hals jetzt kleiner. Schriftliche Arbeiten sind dennoch immer noch sehr anstrengend.

Gottesdienste gibt es für mich seit Januar fast nur über EWTN. Denn meine Eltern sind alt und haben ein Auto mit tiefem Einstieg, aus dem ich nicht selbst aussteigen kann. Meine Mutter hat beginnende Demenz und ist mit allem überfordert, und mein Vater ist der Meinung, dass sein Sonntagsgottesdienst in Minimalzeit abzuhandeln ist, d.h. eine predigtlose 7h-Messe in der Stadt und dass der zusätzliche Aufwand, mir zu helfen den Zeitrahmen zu sehr sprengt. Außerdem habe ich ja einen guten Grund davon dispensiert zu sein ...

Seit drei Monaten warte ich, dass der Medizinische Dienst sich meldet für eine Pflegeeinstufung. Aber der Gesetzgeber hat für dieses Jahr neue Pflegestufen beschlossen, wodurch es Unmassen von Neueinstufungs- und Neuanträgen gibt. Darum wurde die Vorschrift, neue Fälle innerhalb von 5 Wochen zu bearbeiten außer Kraft gesetzt. Die Krankenkasse hat dafür nur ein Ziel: möglichst nichts für was auch immer zu zahlen. Es gibt keine zentrale Stelle dort, der man die Situation melden kann und die dann für die einzelnen Dinge sorgt. Alles muss mit jedem Büro neu durchgekämpft werden. Ich konnte wochenlang mein Fax nicht erreichen, und meine Eltern können so etwas nicht bedienen. Sie haben sich jahrzehntelang solchem modischen Firlefanz verweigert. Telefonieren fällt mir schwer: ich kann noch immer nicht laut sprechen, kaum den Hörer ans Ohr halten, muss aber alles irgendwie selbst erledigen, da meine Mutter für so etwas kognitiv ganz ausfällt und mein Vater sehr schwerhörig ist aber sich dezidiert weigert, sein Hörgerät zu benutzen und bisher immer alle behördlichen Dinge meiner Mutter überlassen hatte.

Ich bin auch noch extrem schnell erschöpft und müde, brauche viel Schlaf. Die Halswunde, an der wirklich so gut wie jede Bewegung zieht, zehrt. Ein guter Nebeneffekt ist, dass ich kein Übergewicht mehr habe, sondern schon gezielt Schokolade esse, um nicht noch mehr abzunehmen.

Ich bin nicht der einzige Mensch, den es dieses Jahr gesundheitlich recht heftig erwischt hat. Eine junge Freundin, die immer viel unterwegs war, konnte durch eine Entzündung an den Füßen plötzlich kaum noch laufen. Eine ältere hatte durch einen Nierenstein fast ein Nierenversagen und war jetzt auch einen Monat außer Gefecht. Eine alte Dame, bei der ich bis Dezember noch Hausbesuche machte, stürzte, brach sich das Schlüsselbein und ist seitdem Pflegefall, muss ihr Haus aufgeben und kommt ins Heim.

Aber zu dem, wie ich mit der widrigen Situation umgehe, schreibe ich besser einen neuen Post. Dies ist erst einmal eine kurze Bestandsaufnahme.






Dienstag, 7. Februar 2017

Viel zitiert und einseitig interpretiert (2) - Niemand darf ewig verurteilt werden

Die Aussage:
"Niemand darf auf ewig verurteilt werden, denn das ist nicht die Logik des Evangeliums." (AI 297)

Dieser Aussage kann gar nicht voll zugestimmt werden, ohne in Widerspruch mit dem Evangelium zu geraten.

Und zwar geht es hier um Matthäus 16,18-19:
18 Ich aber sage dir: Du bist Petrus und auf diesen Felsen werde ich meine Kirche bauen und die Mächte der Unterwelt werden sie nicht überwältigen.
19 Ich werde dir die Schlüssel des Himmelreichs geben; was du auf Erden binden wirst, das wird auch im Himmel gebunden sein, und was du auf Erden lösen wirst, das wird auch im Himmel gelöst sein.

Das heißt, dass die Kirche bzw. Petrus tatsächlich ein Urteil sprechen darf, das auch für die Ewigkeit gültig ist. Dass das natürlich nicht leichtfertig und in geringfügigen Dingen geschehen darf, dürfte sich von selbst verstehen. Denn das wäre absoluter Amtsmissbrauch dessen, der diese Autorität ausübt. Aber es darf definitiv sein, dass ein Urteil auf ewig gesprochen wird.

In den meiisten Fällen ist es so, dass die Kirche zwar darauf hinweist, dass die ein oder andere Entscheidung  mit recht hoher Wahrscheinlichkeit zu einer ewigen Trennung von Gott führen wird aber stellt das endgültige Urteil dem Herrn selbst anheim. D.h. sie verurteilt nicht aber warnt davor, dass jemand die ewige Verurteilung von einziger absolut dazu berechtigter Stelle riskiert.

Merkwürdigerweise wird nun obige Aussage dahin interpretiert, die Kirche (und alle die zu ihr gehören) dürften keine solche Warnung mehr aussprechen, weil diese eine Verurteilung sei.

Hinweis für alle, die das einmal nach Ende dieser Zeit der Verwirrung verwundert lesen:: Neben vielen anderen hat die deutsche Bischofskonferenz sich am 1. Februar 2017 in einem Dokument dahingehend geäußert, dass die Pflege sexueller Kontakte mit Personen, mit denen man nicht kirchlich verheiratet ist, nicht notwendigerweise von den Sakramenten ausschließt. Da man ja niemanden ewig verurteilen dürfe. - Was ohnehin niemand täte, da ein Ausschluss von den Sakramenten sehr sicher nicht ewig sein kann, wenn er jederzeit dadurch beendbar ist, dass man sich von einem gewissen Verhalten abwendet .... Aber gemeint ist anscheinend, man dürfe einige Leute nicht warnend darauf hinweisen, welche Gefahr deren Verhalten in sich birgt. - Ich finde das ja auch hoch bedenklich, gefährlich und nicht gerade der Vernunft entsprechend, aber offenbar scheinen gerade der Papst und viele Bischöfe dieser Meinung zu sein. Vielleicht liegt es an der Theologie, rationales Denken scheint damit nichts zu tun zu haben.

Montag, 6. Februar 2017

Viel zitiert und einseitig interpretiert (1) - Eucharistie als Heilmittel

Die Aussage:
Die Eucharistie ist "nicht eine Belohnung für die Vollkommenen, sondern ein großzügiges Heilmittel und eine Nahrung für die Schwachen" (EG 47)

Das ist natürlich und offensichtlich vollkommen richtig, denn sonst könnte NIEMAND die Eucharistie empfangen, höchstens direkt nach einer Beichte, die gerade einen Zustand der Vollkommenheit (auf Grundlage der Verdienste Jesu nicht weil jemand per se vollkommen wäre) hergestellt hat.

Niemand von uns ist vollkommen. Jeder von uns hat Schwächen, in denen er Hilfe braucht.

Aber heißt das nun etwa, dass man um so dringender der Eucharistie bedarf und diese empfangen sollte, je schwerer man gesündigt hat? Ich glaube nun eher nicht.

Die Hilfe kann leichter dem werden, der mit seiner Schwäche ringend, die Kraft benötigt, um nicht in was auch immer zu sündigen. Hier kommt die Gnade der fehlenden Kraft im Kampf zu Hilfe.

Es wäre dahingegen, um das andere Extrem zu formulieren, eher unwahrscheinlich (ich würde ja sagen sogar ein Sakrileg) einem mit seiner (schweren) Sünde recht zufrieden lebenden Menschen, die Eucharistie zu verabreichen, damit die ihn gewissermaßen bekehrt.
Eventuell als Mittel, um diesem Menschen auszudrücken, dass man es besonders barmherzig mit ihm meint.

Soweit ich weiß, ging man bisher davon aus, dass der Empfang der Eucharistie in schwerer Sünde eher zu einer Herzensverhärtung (= Mangel an Erkenntnis der eigenen Fehler, evtl. Stolz auf das eigene Verhalten, fehlendes Unrechtsbewusstsein, Gleichgültigkeit)  führt und damit in keiner Weise eine Hilfe für den durch die Sünde Verwundeten ist.

(Die derzeitige äußerst eng geführte Interpretation der diskutierten Aussage ist, dass wiederverheiratete Geschiedene die Sakramente daher unbedingt empfangen können sollten. Ich diskutiere das hier nicht. Ich erwähne es für den Fall, dass wir irgendwann aus der momentanen Verwirrung heraus sind und sich jemand wundert, inwiefern denn diese eigentlich so richtige Aussage sinnwidrig verwendet wurde.)

Samstag, 7. Januar 2017

Tabuthema Demenz

Ich mag das Wort Demenz selbst nicht. Es bezeichnet einen Endzustand und die Menschen, die davon betroffen sind, sind oft in vielen Punkten von diesem Endzustand entfernt und das über viele viele Jahre. Alzheimer mit seinem relativ rapiden Verlauf ist den meisten geläufiger als die Variante, die viele über Jahre hinweg sogar erst einmal liebenswerter macht, als sie es zuvor waren, weil ihr grundguter Charakter durchschent, den sie sonst hinter Konventionen besser verbergen würden. Ich möchte hier ein paar Dinge anhand meiner Mutter erklären.

Die ersten Anzeichen sind leicht zu übersehen. Vergesslichkeiten kommen vor, ohne dass so ein Krankheitsbild besteht, und die Betroffenen sind, wenn sie auf etwas hingewiesen werden, auch nicht um Begründungen verlegen. Das erste, was auffiel, war, dass Absprachen nicht eingehalten wurden. Meine Mutter war einmal zuverlässig wie die Post, bevor diese privatisiert wurde. Wenn sie etwas sagte, konnte man Städte darauf bauen. Und wenn es die Absprache zum Mittagessen war.

Das fiel mir zuerst auf. Sie erzählte zum Frühstück, was sie machen werde. Wir unterhielten uns über das beliebte Gericht, sagen wir, Frikadellen mit Erbsen. Aber als ich nach Hause kam, war dann evtl. Leber mit Rotkraut gemacht. Frisch eingekauft, obwohl das Hackfleisch vorrätig gewesen war. "Ich hab es mir anders überlegt."

Weniger auf fiel bis zur Fast-Katastrophe die Sache mit den Rechnungen, die für die Steuer und die Nebenkostenberechnungen mehrerer Häuser abzurechnen waren. Meine Mutter balancierte immer locker aus dem Gedächtnis mit allen Ordner und drei Banken, die Buchungen immer sehr ordentlich protokolliert. - Plötzlich wurde manches falsch abgeheftet. Insbesondere wusste sie nicht mehr, welche Buchungen, bei welcher Bank gemacht wurden. Letztendlich half nur, dass ich selbst noch einmal alles elektronisch erfasste und alle Ordner durchging.

Denn plötzlich zeigte sich noch etwas. Sie konnte unvertraute Dinge nicht mehr zuordnen. Sie erkannte Rechnungen nicht mehr als das, was sie waren. Sie quälte sich stundenlang immer wieder neu über simplen Suchen und Zusammenstellungen.
Exemplarisch auch die Suche nach der Faxnummer einer Gemeinschaftspraxis: Statt im Ärzteverzeichnis suchte sie immer wieder im alphabetischen Verzeichnis, wo die Ärztin nicht aufgeführt war. Als sie dann die Anzeige der Praxis hatte, konnte sie die Nummern und Buchstaben nicht zuordnen.. Ich saß dabei und durfte die Quälerei lange nicht beenden. Sie hatte den Ehrgeiz, es selbst zu tun. Dann endlich, ein Blick, die Faxnummer stand gleich zweimal da.
Die Einführung der IBAN und BIC war verheerend. Sie kannte ihre Nummern alle auswendig und kann sie auch nicht, aber die neuen alphanumerischen Ungeheuer überfordern sie fällig. Insbesondere da in der BIC mal Zahlen mal Buchstaben auftauchen. Da wurde dann schon ein S als 5 eingetragen, weil da doch auch sonst nur Zahlen waren u.ä. - Man sieht, sie durchdachte das und die Unlogik im Aufbau der Zeichenfolge führte zu Fehlfolgerungen.

Richtige Folgerungen aus komplexeren Zusammenhängen ziehen, wird immer schwieriger. Das ist eine ganz traurige Sache. Meine Mutter war eine kluge, belesene Frau, mit scharfem Verstand und voller Herzensgüte. Mit ihr konnte man jedes Thema differenziert diskutieren. Dann kam Merkels berühmtes "ihr könnt alle kommen" und das Chaos des Immigrantenansturms, das vielleicht keinen Ort verschonte. Meiner Mutter machte das Angst, sie konnte nicht mehr einordnen wie groß die Gefahr von was war und fühlte sich bedroht und ausgeliefert. Mit Zorn zitierte sie Frau Merkel. Aber es drang nicht mehr durch, dass man auch in seiner solchen Lage differenzieren muss, sie kann es nicht mehr. Das überfordert sie. Und wenn ein Mensch völlig überfordert wird, wird er aggressiv.

Aggressivität war nie ein Merkmal meiner Mutter. Insbesondere nicht verbale Ausfälligkeiten, Beschimpfungen. Plötzlich trat das gelegentlich auf. Nur in Bezug auf nicht anwesende Fremde aber dennoch.
Aggressiv wurde sie auch, wenn man sie nach etwas fragte, dass sie nicht mehr wusste oder dass andeutete, sie habe Gedächtnisprobleme. Es war eine Mischung aus Zorn, Angst und wachsender Realisation, dass sie die Dinge nicht mehr so beherrscht, wie sie es einmal tat. Manchmal weinte sie darüber.

Wir müssen auch darauf achten, dass sie an Tor und Telefon nicht an Vertreter und Drücker gerät. Die sind ja gerade darauf geschult, die Unsicherheiten älterer Menschen auszunutzen. Und zum Glück schafft sie es mittlerweile, Notizen zu Teleonaten zu machen, gelegentlich. Sie brauchte das nie. Aber ihr Gedächtnis ist sehr selektiv.  
- Es gibt Dinge, die sie sich sofort und dauerhaft merkt.
- Es gibt Dinge, die man mit ihr ausführlich bespricht und die 5 Minuten später vergessen sind.
- Es gibt Dinge, die sie sich sofort falsch merkt und die sitzen sehr fest und sind kaum mehr zu löschen.
Das zweite ist oft das Irritierendste. Dass ein Sachverhalt völlig gelöscht ist, den sie mehrfach bestätigt hat und bei dem man sogar die Gründe ausführlich besprochen hat, ist erst einmal schwer nachvollziehbar. Aber ich habe es inzwischen schon mehrfach auch bei anderen älteren Menschen beobachtet.

Mein Vater lamentiert meist am meisten über die Gedächtnisprobleme, mit denen er oft konfrontiert ist. Aber manchmal braucht er für eine strittige Frage einen Zeugen. Würde er fragen, weisst du noch, ob ....? würde Mutter wahrscheinlich nein sagen. Aber in diesen Fällen formuliert er: "Du weißt doch auch noch genau, dass ...." Und dann "weiß" meine Mutter das, weil er es sagt. Sie würde es beschwören, so überzeugt ist sie, es genau zu wissen. Auch wenn es eine halbe Stunde später schon wieder komplett weg sein kann. Sie ist voller Empörung und Zorn, wenn man das, was sie so genau "weiß" in Frage stellt. - Suggestive Fragen können Erinnerungen, die in sich wahrscheinlich sind konstruieren, besonders wenn sie von Vertrauenspersonen kommen. 

Das Autofahren hat Mutter aufgegeben, weil sie schon in den Nachbarorten dabei die Orientierung verlieren kann, aber sie geht noch selbständig einkaufen und findet sich im Wohnort zurecht. Solange sie Altgewohntes machen kann, merkt man wenig von ihren Problemen. Schwierig wird es, wenn etwas den vorgesehenen Ablauf stört. Fremde können noch ganz normale Gespräche mit ihr führen, bei denen ihnen nichts auffällt. 

Was ich sagen will, trotz diverser Beeinträchtigungen, leistet sie ihren vollwertigen Beitrag zum Familienleben. Es ist nur wichtig zu wissen, welche Belastungen man besser von ihr fernhält. Ich bin dankbar, dass ich sie noch habe und möchte es nicht als Abwertung gesehen haben, wenn ich trotzdem ihr Krankheitsbild gelegentlich benennen muss. Aber würde ich es völlig ignorieren, täte ich ihr auch keinen Gefallen.

Niemand kann etwas dafür, wenn die geistigen Kräfte schwinden. Es liegt ja nicht innerhalb der Willenskraft, und mit einem geeigneten Umfeld kann vieles von dem langsam Schwindenden kompensiert werden.
Insbesondere ist es sinnlos, dem so Betroffenen Vorwürfe dafür zu machen. Denn aus seiner Perspektive macht derjenige ja alles wie immer und basierend auf den vertrauten Fähigkkeiten. Und vermeintliche Angriffe lösen nur Angst und Zorn aus.

Ich mache mir da nur so meine Gedanken, wenn ich von den jüngsten Vorkommnissen in Rom höre, weil mich da einiges an das Verhalten meiner Mutter erinnert. Es würde vermutlich nicht einmal auffallen, wenn ein kluger und liebevoller Beraterstab wie eine Familie ein paar kleinere Ungereimtheiten abfangen, Zornausbrüche mildern und freundlich hinweisen könnte, dass Widerspruch von einem selbst nur leicht so Erkrankten als heftige Aggression empfunden wird. Wenn alles getan würde, um das Gütige und Liebevolle, das da ist, generell zum Tragen zu bringen. Aber was wenn hier Vertrauenspersonen den Zorn noch zusätzlich anstacheln? Wenn die Ängste bestärkt werden, um einer eigenen Agenda zum Durchbruch zu verhelfen? Wenn kein anderer zu sprechen wagt, um nicht respektlos zu erscheinen, obwohl einige Verhaltensweisen und Reaktionen  immer auffälliger unangemessen sind? Wenn der Erkrankte nicht mehr imstande ist, neue Argumente in seine bisherige Argumentation zu integrieren und darum jede kritische Frage als Angriff vermerkt? Was wenn da große Machtfülle ist und die üblichen Schranken, die deren Einsatz verhindern gefallen sind und der Zweck - ein Lebensprojekt - alle Mittel zu rechtfertigen scheint und niemand da ist, der das noch mäßigen kann und will? Wenn falsche Freunde etwas, das kein Problem sein müsste, zu einem großen Problem werden lassen?


Donnerstag, 5. Januar 2017

Gibt der Papst nun dem Tratsch einen Ritterschlag?

Eigentlich wollte ich nur an meiner Mandel-Angina pflegen, mit der ich seit dem Weihnachtsfeiertag im Bett liege, aber die Meldung hat mich jetzt so erschüttert, dass ich in aller Wackligkeit doch etwas schreibe:

Zuerst war es nur ein italienischer Blogger, der von kath.net aufgegriffen wurde, aber fast alle zögerten zu schreiben, in der Hoffnung, es sei doch nur ein böses Gerücht.

Es hieß, der Papst habe die sofortige Entlassung dreier Mitarbeiter der Glaubenskongregation gefordert und als Begründung nur angegeben, er sei der Papst, er könne tun, was er wolle. Dies scheint auch der Bescheid zu sein, den Kardinal Müller bekam, als er zugunsten seiner langjährigen und nach bisherigem Wissen absolut integren Mitarbeiter Rücksprache suchte.Genau wissen kann man das ja nicht, da so ein Gespräch vertraulich ist. Aber wenn der Supplicant binnen kürzester Frist entlassen ist und bei Frage nach den Gründen auch nur mit den Schultern zucken kann, gibt es wohl nicht viele Optionen.

Kein Skandal. Keine Indiskretionen aus dem Amt. - Oh, halt. Einer hatte doch eine Vermutung, es betraf allerdings einen guten Freund eines Vertrauten des Papstes, der wohl gehört habe, wie er eine kritische Anmerkung zu etwas machte, das dieser getan hatte. Nicht in der Öffentlichkeit, nur im Gespräch mit jemandem, zufällig belauscht von einem Mitglied des Klatsch- und Tratschvereins, der sich offenbar der ganz besonderen Wertschätzung des Heiligen Vaters erfreut, der zwar schon einmal das unnütze Geschwätz gewaltig anprangerte aber offenbar nicht nur diesem weiterhin fleißig huldigt sondern jetzt - wie es scheint - auf Veranlassung eines Tratschträgers gleich drei Mitarbeiter entlässt.

Letzteres ist kein Gerücht. Zwei sind schon gegangen. Einer, möglicherweise völlig ungerechtfertigt beschuldigt, scheint noch zu hoffen, seinen Dienst weiterhin tun zu dürfen.

Soweit die Schilderung, ansonsten fehlen mir da erst einmal die Worte.

Obiger Blogger nannte noch einen anderen recht traurigen Vorfall. Aus einem Bistum (nicht in Italien) kam die Vorschlagsliste eines Bistums standen drei Kandidaten, deren einen die Kongregation bestens fand, den zweiten gut, nur beim dritten bestanden Bedenken wegen moralischer und Lehrfragen schon seit der Seminarzeit. Aber der dritte erfreute sich der Protektion eines Papstlieblings und wurde von höchster Stelle zum Bischof bestimmt.

Quo vadis, Petrus?

Nur der Vollständigkeit halber: in geradezu unnachahmlicher Selbstherrlichkeit hat der Papst nun eine Untersuchungskommission in Personalfragen des Malteserordens eingesetzt. Nur dass der Malteserorden völkerrechtlich souverän ist und ihm nicht juristisch untersteht. Der Orden hat schon protestiert.

Herrschaft von Klatsch und Tratsch.
"Vetternwirtschaft" ohne Rücksicht auf problematische Kandidaten.
Sehr autoritäre, willkürliche und unangemessene Entscheidungen.

Und Barmherzigkeit? Wird ja eh nur als Keule eingesetzt, um sie denen um die Ohren zu schlagen, die gewissen gegen jede Ratio bevorzugten Kreisen nicht die nötige kniefällige Bewunderung entgegenbringen.

 Die Kirche hat schon Schlimmeres überlebt, aber es ist sehr sehr traurig.

Sonntag, 4. Dezember 2016

Im Sakrament verwandelt




Dieser Tage habe ich einen Artikel über das noch sehr neue Eucharistische Wunder in Liegnitz in Polen gelesen. 2013 ist es geschehen. Eine gewandelte Hostie war während der Liturgie am Weihnachtstag, in der es ja auch heißt, dass das Wort Fleisch wurde, in den Staub gefallen und obwohl nicht ernsthaft verschmutzt, mochte auch der Priester sie nicht konsumieren sondern verfuhr mit ihr, wie es eigentlich nur mit kleineren Partikeln geschehen sollte: er legte sie zum Auflösen in eine Schale mit Wasser und stellte diese in den Tabernakel.
Nach einiger Zeit bildeten sich auf einem Bruchstück davon rote Flecke. Der Priester rief andere zur Beobachtung dazu. Noch war unklar, ob sich hier ein roter Schimmel bildete oder etwas anderes geschah. Es war wohl etwas anderes. Denn gerichtsmedizinische Untersuchungen ergaben, dass sich ein Teil dieser Hostie in menschliches Herzmuskelfleisch verwandelt hatte und zwar in ein Stück Muskel eines Menschen im Todeskampf. Die Glaubenskongregation hat in diesem Jahr das Wunder bestätigt.

Dass die Herz-Jesu-Verehrung da so wortwörtlich herrührt, war mir nie klar gewesen. Das Brot wird zu einem Teil des Herzens Jesu bei seinem Tod. Normalerweise sehen wir es nicht. Aber ganz selten lässt Gott diese Wirklichkeit sichtbar werden. Einmal zum Beispiel ist es vor einigen Jahrhunderten in Lanciano in den Abruzzen geschehen. Und dieses Wunder hatte mit zur Folge, dass das Fronleichnamsfest eingeführt wurde, nach dem schon vorher gerufen worden war.

Warum lässt Gott dieses Wunder jetzt neu geschehen? Es muss sehr wichtig sein. Es hat den Anschein, dass es schon 2006 in Sokolka auch geschah, aber das wurde, wie es scheint, nicht kirchlich anerkannt. Darum erneut in Liegnitz. Wir sollen etwas erkennen.

Eines von dem, was wir wohl erkennen sollen, ist dass bei einem Sakrament etwas in eine neue Wirklichkeit überführt wird. Im Falle der konsekrierten Hostie das Brot in Fleisch und Blut Jesu. Im Falle der Ehe das, was einmal zwei individuelle Personen waren in eine neue Einheit.

Wir sehen die Wandlung durch das Ehesakrament oft genauso wenig wie wir die neue Wesenheit der Hostie mit Augen oder Sinnen wahrnehmen können. Aber sie ist da.

Viele gehen mit dem Fleisch und Blut Jesu wie mit irgendeinem Stück Brot um. Sie achten es gering, denn sie haben keinen Hunger.
Genauso missachtet wird die sakramentale Neuschöpfung, die im Ehesakrament geschehen ist.

Man lässt den Leib Christi unachtsam in den Schmutz fallen und entsorgt ihn als Müll, wenn niemand, der es besser versteht einschreitet.
Man bricht die Ehe und zerbricht die von Gott neu geschaffene Einheit, erachtet das Heilige für Müll und versucht es zu entsorgen.

Es ist ja nur Brot.
Es ist ja nur mein gescheiterter Versuch, mit jemand zusammenzuleben.

Die Wahrheit aber ist anders.

Zweiter Advent 2016

Heute waren Minusgrade und der Rauhraif hatte alles Grünende überzogen. Daher war die Scooterfahrt in die Kirche des Nachbarortes - dick eingemummt wegen der Kälte - vom Optischen sehr schön.

Der Vertretungspriester lebt sich richtig ein und hat Freude an dieser Gemeinde - der Pfarrer selbst musste schon seit Oktober in die Klinik wegen eines immer wieder auftretenden Problems.
Die Gemeinde trägt den Gottesdienst sehr engagiert mit: zahllreichen Lektoren und Organisten, die sich richtig Mühe geben. Die Lesungen immer vollständig vorhanden. Die Lieder passen.
Vor dem Gottesdienst wird der Adventskranz entzündet und dabei die entsprechende Strophe von "Wir sagen euch an" gesungen.

Ohne meine gesundheitlichen Probleme hätte ich diese wirklich aufbauenden Gottesdienste dort nie erlebt.

Weniger erbauend sind die Reaktionen und Äußerungen, die aus kirchlichen Kreisen verlauten, weil die vier Kardinäle ihre Dubia öffentlich machten, nachdem ihnen der Adressat nicht antwortete. Man glaubt kaum den eigenen Augen und Ohren trauen zu können:
Zu Zeiten Papst Benedikts war es Usus, dessen Worte, Bitten und Anweisungen bestenfalls zu ignorieren, mindestens zu Verdrehen und ins Lächerliche zu ziehen oder gleich ganz verbal über ihn herzufallen. Das immer mit stolzen Hinweis, man fühle sich wie Paulus, der ja auch Petrus einmal tüchtig die Meinung gesagt habe.
Nun wird Papst Franziskus, der übrigens selbst zu einer Diskussion seiner Beiträge aufrief, sehr sachlich um Stellungnahme zu sehr problematischen Interpretationen gebeten, die sich aus seinen -vermutlich bewusst - unklaren Äußerungen ergeben. Darauf erheben sich empörte Chöre von: Wie kann man es wagen, ihn nur in irgendeiner Weise zu kritisieren? Das sei ja geradezu Verrat.

Seltsam, oder? Nein, diese Kardinäle tun keinesfalls das, was Paulus gegenüber Petrus tat - heißt es. Hmmm.

Schlimmer noch, dann wird gleich eine etwas überzogene Äußerung von jemandem aus der römischen Kurie falsch wiedergegeben und impliziert, diese Kardinäle hätten sich durch diese angebliche Ungeheuerlichkeit selbst suspendiert. Ich bin mir nicht sicher, ob die Empörten auch gleich exkommuniziert sehen wollten. Es hörte sich fast so an.

Das Ganze spricht weder für die Qualität der kirchlichen Presse noch für die geistliche Reife der hier beteiligten Kirchenmitarbeiter. Soviel steht fest.

Sonntag, 20. November 2016

Papst des Postfaktischen

Jede Zeit hat ihre große Irrlehre, und die Aufgabe der Kirche war es von jeher auf solche Herausforderungen zu reagieren und in die Situation hinein die unveränderliche Wahrheit Gottes zu sprechen.

Die vorherrschendste aktuelle Irrlehre wird am besten charakterisiert durch den recht  neuen Ausdruck "postfaktisch", den man nun immer häufiger auch in den Texten verwendet sieht. "postfaktisch" ist eine Übersetzung des Originals "post-truth". Das zu wissen ist wichtig, um ganz zu verstehen, worum es hier geht. Für ganz glücklich halte ich die Übersetzung nicht, obwohl sich deutsches und englisches Wort durchaus ergänzen: die Wahrheit ist ein Fakt, ein Fakt ist wahr. Wird für eine Haltung des Zeitgeistes ein "post" vor etwas gesetzt, wird damit ausgedrückt, dass das folgende Wort etwas ist, das der Vergangenheit angehört.

Postfaktisch bedeutet also, dass objektive Fakten/Tatsachen oder eben die schlichte ungeschminkte Wahrheit als irrelevant betrachtet werden, während eine persönliche Überzeugung, Meinung oder ein gefühlsmäßiger Eindruck als ausschlaggebend und relevant angesehen werden.

Das Christentum gründet auf dem, der im Johannesevangelium als "Logos" (im Deutschen etwas sinnverkürzend das Wort) bezeichnet wird und von sich selbst sagte, er sei die Wahrheit. Es ist offensichtlich, dass es nicht mit einer postfaktischen Einstellung, die sich nur an sich selbst orientiert und subjektive Wahrheiten zu definieren versucht, vereinbar ist.

Hier allerdings ist Unterscheidung vonnöten, und es hat derzeit den Anschein, dass viele Amtsträger der Kirche, auch Bischöfe und wohl auch der Bischof von Rom derzeit noch nicht erkannt haben, was hier am meisten zu verteidigen ist, da es die größte Not unserer Zeit beschreibt, die Abwendung von der Wahrheit, den Fakten, dem Logos.

Für sehr symptomatisch halte ich hier ein ganz aktuelles Ereignis: Vier Kardinäle haben in einer Angelegenheit den Papst um fünf simple Aussagen (so formuliert, dass dies nur mit klarem Ja oder Nein zu tun ist) gebeten, die wichtig sind zur Klärung eines Sachverhaltes, der in der Diskussion sehr stark mit gefühlsmäßigem Handeln und persönlichen Meinungen belastet ist, die viel, wie es scheint, daran hindern, noch klar zu denken. Die nötigen - dem Fakt und der christlichen Wahrheit entsprechenden - Antworten sind offensichtlich.

Leider ist es so, dass der Heilige Vater diese Antworten, die bestätigen würde, was der Ausgangspunkt für alle Diskussionen sein sollte (nämlich die Grundfakten), nicht geben zu wollen scheint. Ich kann nur spekulieren, dass er lieber "ja, aber" sagen würde, um damit die nötige sachliche Diskussion bereits in eine bestimmte Richtung zu lenken. Vielleicht sehe ich das völlig falsch, und es gibt ganz andere Gründe. Es wäre jedenfalls einem gesunden Diskussionsklima sehr abträglich. Denn damit würde er ganz postfaktisch handeln - und nebenbei auch sehr autoritär, fast diktatorisch (ganz im Sinne von durch Gesagtes eine Linie diktiern)
Vielleicht benötigt er auch nur Zeit im Gebet, in der Stille und ohne Ablenkung vor Gott, um Klarheit zu finden, bevor er sprechen möchte. Dazu scheinen ihm ja die überaus zahlreichen Begegnungen, Gespräche, Telefonate und Aktivitäten wenig Zeit zu lassen.

Vielleicht liegt es an der Berichterstattung: Wenn ich die DT lese, bekomme ich sogar den Eindruck - das kann schlicht an dem liegen, was in der Auswahl dort berichtet wird, so dass dieser Eindruck falsch ist -, der Heilige Vater habe die Bitte um die Abklärung von Grundfakten, die einer Diskussion ja nur förderlich sein können, gar völlig missverstanden als Ausprägung eines unbarmherzigen Rigorismus, den er zutiefst verabscheut. Es kann natürlich sein, dass seine aktuellen Äußerungen sich auf völlig andere mir unbekannte Dinge beziehen. Wissen kann ich es nicht, denn wie so oft, hat er leider nicht präzisiert, wen oder was er mit dem allgemeinen Tadel in diese Richtung überhaupt meint.

Vielleicht ist auch noch die Beobachtung erwähnenswert, dass die Anfrage zu den oben genannten Grundfakten sich sehr bewusst aller Wertungen enthält und stattdessen sehr objektiv und der Klärung dienend formuliert. Wohingegen es doch immer wieder unangenehm aufstößt, wenn jemand - wer es auch sei - wiederholt im gleichen Text die Vorzüglichkeit der Barmherzigkeit lobt und dann ohne Details zu nennen Vertreter einer - eben nicht genau spezifizierten von seiner eigenen abweichenden Meinung mit doch recht harten Worten geißelt, was gerade in seiner Vagheit die Gefahr birgt, dass Menschen, die gar nicht gemeint sind, dies betrübt auf sich beziehen. Das ist nicht sehr barmherzig.

Ich bin sehr froh gerade in dieser Hinsicht noch das Beispiel des vorherigen Papstes vor Augen und Herz zu haben, der gerade über seine Gegner - die ihn zum Teil sogar persönlich sehr hart angingen - mit Güte, Milde und Barmherzigkeit sprach. Es ist eine Tugend, die ich auch einmal erreichen möchte, auch wenn sie mir nicht gerade leicht fällt. Aber so ist das mit den virtutes (Tugenden), sie erforden einiges an vis (Stärke).

Ich bitte alle um Gebet für die Verantwortungsträger unserer Kirche, dass ihnen die Gabe der Unterscheidung in den Erfordernissen dieser Zeit in reichem Maße zuteil wird.

Möge der Heilige Vater die Wahrheit in der Zeit des Postfaktischen verteidigen und damit auf diese Not der Menschheit antworten, barmherzig die Hand an diese eiternden Wunden legend.
Möge er zu einem Beispiel einer Güte und Barmherzigkeit werden, die auch denen gilt, die nicht seiner Meinung sind und immer die Demut besitzen, die eigene Meinung nicht für das Sprechen des Heiligen Geistes zu halten sondern auch sie der Prüfung durch die ganze kirchliche Gemeinschaft zu unterstellen.
So wie es von jedem Christen gefordert ist.

persönliches Update

Da ich wieder einmal lange nichts von mir hören ließ, erst einmal ein persönliches Update:

Meine Kollagenose scheint in den Griff zu kommen. Das Blutbild jedenfalls sieht inzwischen im Grunde normal aus. Das verordnete Medikament hat überdurchschnittlich stark gewirkt. Leider etwas zu stark. Es soll nämlich die Folsäurerezeptoren blockieren, um so die Entzündungen einzudämmen. Nun, es hat so gut blockiert, dass ich Ausfälle im Nervensystem bekam: eine Dauerischialgie, Dauermigräne und ein paar kleinere Ärgernisse, und ganz unglücklicherweise hat diese spezielle Form der folsäureabhängigen Migräne noch eine Erscheinung namens "locked-in-Syndrom", d.h. es kommt über Sekunden bis zu einer Stunde dazu, dass man bei vollem Bewusstsein ist aber sich nicht bewegen kann, keinen Mikrometer. Ich hatte es nur einmal und zwar für etwa 30 Sekunden. Allerdings war das gerade als ich hätte bremsen müssen. Gott sei Dank gab es nur Sachschaden: ein Auto gestreift, in den Betonzaun einer Firma gefahren, weder ich noch sonst jemand hatte einen Kratzer oder auch nur eine Spur von Schleudertrauma. Das Auto allerdings war ein wirtschaftlicher Totalschaden, was schon bitter genug war, weil ich nicht weiß, wie ich mir ein neues leisten sollte. Was ohnehin erst möglich war, nachdem geklärt war, was hier geschehen war.

Nach etwas Recherche habe ich mein Medikament halbiert und siehe da, der Ischiasnerv fing an sich zu beruhigen, keine Spur mehr von Migräne, erst recht nicht mehr so ein Ausfall und die Muskelregeneration verbesserte sich deutlich.

Es wäre zu schön gewesen. Für innerorts hatte ich erst einmal einen E-scooter, der tatsächlich viel praktischer als ein Auto ist und auch noch extrem umweltfreundlich. Nur leider meldete sich plötzlich die Führerschein-Zulassungsstelle und zweifelt an, ob ich überhaupt fahren sollte. Ich brauche also ein Gutachten.. Für das Gutachten ist die behandelnde Ambulanz zuständig und die haben so etwas, wie es scheint, noch nie ausgestellt. Außerdem musste diese Ambulanz gerade dann vom einen Ende der Stadt ans andere umziehen und es wurde Personal entlassen. Die behandelnde Ärztin scheint nur an zwei Tagen dort zu sein. Ich versuche nun im dritten Monat an das Gutachten zu kommen. Ich brauche meinen B-Führerschein, denn gerade öffentliche Verkehrsmittel - die ohnehin hier rar sind - sind wegen der Einstiege für mich nicht zugänglich. Im Sitzen kann ich dahingegen sehr gut manövrieren, insbesondere weil ich nicht fürchten muss zu stürzen, was bei Stufen ein erhebliches Risiko ist.

Das ist so eine zeitraubende Herausforderung, mit der ich gerade zu kämpfen habe. Der Scooter ist ausgezeichnet, aber nur 6 km/h schnell. Schon Einkaufen nötige Fahrten in den Nachbarort werden dadurch zu einem größeren Ausflug, was wieder Zeit kostet.

Und damit die Rekonvaleszenz voran kommt, brauche ich auch noch recht viele Ruhephasen und mochte den PC eine Weile kaum anmachen. Soviel also hierzu.

Samstag, 21. Mai 2016

zum aktuellen LaCroix Interview des Papstes

La Croix ist nicht irgendeine französische Zeitung, es ist eine katholische Zeitung. Dieser hat der Papst ein Interview gegeben (englische Übersetzung der Herausgeber). Einige Aussagen in diesem Interview ließen wohl bei  Alexander Kissler die Galle überlaufen. Jetzt trifft diesen die Kritik, er sei den Papst zu hart angegangen.Vermutlich ist er das, auch wenn keiner seiner Kritikpunkte völlig ohne Berechtigung ist.

Ich selbst benötige allmählich auch dringend geistlichen Beistand, wie ich aus dem Konflikt zwischen der unabdingbaren Loyalität zum Heiligen Vater und der notwendigen Reaktion auf einige wahrhaft haarsträubend an Weitsicht ermangelnde Äußerungen desselben noch comme-il-faut herausgehen soll.

Nehmen wir die kurze Passage hier: "Heute ist es, denke ich, weniger Angst vor dem Islam als die vor ISIS und dessen Eroberungskrieg. Es trifft zu, dass das Konzept des Eroberns der Seele des Islam innewohnt." Gut formulierte Aussage soweit, die ganze Problematik verkürzt auf einen Satz. Aber dann kommen folgende Worte: "Es ist jedoch auch möglich, den Auftrag im Matthäusevangelium, als Jesus seine Jünger zu allen Völkern schickt, genauso im Sinne von Eroberung zu verstehen."

Auch dieser Satz ist für sich tadellos. Es gab schon Menschen (vermutlich gibt es auch aktuell Vereinzelte), die den Missionsauftrag, zu Jüngern zu machen in Verkennung dessen, was es heißt, ein Jünger Jesu zu sein, als eine Legitimation zu gewalttätiger Eroberung sehen.

Das Problem kommt wie so oft in Texten des Papstes aus der mangelhaften Verknüpfung zweier Aussagen, die fast unweigerlich zu einer ganzen Bandbreite von möglichen Missverständnissen führt. Es fehlt der klarstellende letzte Satz, den man gerade vom Oberhaupt der Christenheit erwarten würde.Nämlich, dass eine solche Interpretation der Worte Jesu ganz klar dessen Intention widerspricht.

Die einen deuten das als gedankenloses Dahinschwätzen.
Andere sehen dahinter gar eine perfide Absicht.

Es gibt aber noch eine dritte Möglichkeit: Dem so Sprechenden ist der innere Zusammenhang so klar, dass er es nicht für nötig hält, diesen zu formulieren.

Und genau das ist in gleichem Maße verhängnisvoll, wie es die beiden ersten Möglichkeiten wären.
Jemand mit dem Autoritätsstatus des Papstes sollte solche verheerend missverständlichen Aussagen um jeden Preis vermeiden. Nur offenbar ist nicht einmal bei Genehmigung des Interviews jemandem die Problematik aufgefallen.
Leider kann die Aussage des Papstes, so wie sie ist,  von denen, die dem Christentum ablehnend oder gar feindlich gegenüberstehen als Eingeständnis gewertet werden, Islam und Christentum legitimierten in gleicher Weise Eroberungskriege, was NICHT den Tatsachen entspricht.






Dienstag, 17. Mai 2016

Mainzer Schmonzette

prospesalutis spart mir so einige Worte.

Zuerst gehört hatte ich davon vor drei Wochen. Der Pfarrer kündigte an, am Pfingstmontag falle der 10-Uhr-Gottesdienst aus, da da die große Verabschiedung des Kardinals sei und außer der Politprominenz hatte anscheinend auch die Mainzer Geistlichkeit Platzkarten dazu erhalten (mit Personalausweis zu verifizierend und nicht übertragbar). Er rate dringend davon ab, nach Mainz zu fahren, im Fernsehen sehe man das Ganze sicherlich besser.

Schon am Pfingstsonntag wurden wegen der Vorbereitungen etliche Messen im Dom gestrichen. Man hat ja seien Prioritäten in Mainz. Was ist der Heilige Geist schon im Vergleich zu "Der Kardinal" (so ja schon ein Buchtitel, nicht ein, DER)?

Ich überlegte kurz, mal den Fernseher anzumachen für die Lehmann-latreia, bei der auch eine Eucharistiefeier als mutmaßlich dekoratives Element abgehalten wurde, einzuschalten, geriet aber zuerst auf den Filmanfang von "Tintenherz" und entschied, dass das vermutlich doch erfreulicher sein werde.

Die Entscheidung war vermutlich richtig, wenn ich der heutigen Berichterstattung der Mainzer AZ folge. Etwa 1000 Leute sollen sich zum Public Viewing des Events eingefunden haben. (So als Referenz, es gibt so um die 500 inkardinierte Geistliche im Bistum und die Stadt hat 200.000 Einwohner).

Es war kalt und windig und irgendwie hat man schon Verständnis, dass laut Zeitung, die meisten während des Events im Dom Kaffeebecher in den Händen hielten. Eine junge Frau soll geäußert haben, das sei schon ein Vorteil gegen den Dom. - An dieses tapfere Publikum wurde natürlich auch die Eucharistie ausgeteilt. Es habe dabei eine Unterbrechung gegeben, "weil die Oblaten ausgingen". (Schoko-Elisen oder Makronen überlegt man kurz. Nein, die Zeitung hatte ja geschrieben, es war nichts Sättigendes. )

Dafür schlugen die Emotionen laut Regionalteil hoch. Die Übertragung zeigte jede Regung des Kardinals, um den es ja ging bei dem allen, und wenn er lächelte, hätten die treuen Zuschauer gelächelt. Seien ihm Tränen der Rührung in die Augen gestiegen, so habe man die Taschentücher gezückt.

Äußerst ergreifend - und wohl äußerst fiktiv, dieser Artikel.

Dann die Enttäuschung, der Hochverehrte zeigte sich seinen Anhängern nicht nach dem Event im Dom.

Nur zwei bis drei Dutzend sollen auf den Bänken zur Übertragung aus dem folgenden Festakt gesessen haben, etliche Pizza essend. Dazu waren die Bierbänke sicher hilfreich.

Keine weiteren Kommentare.


Dienstag, 3. Mai 2016

Worte wie Felsblöcke ....

Ich habe es geschafft. Das nachsynodale Schreiben ist durchgelesen. Ich bin ja kein Theologe, der das als Teil der bezahlten Arbeitszeit deklarieren kann, sondern muss es irgendwie in Arbeit, familiäre Verpflichtungen und gesteigerten Erholungsbedarf wegen meines Medikamentes (10 Stunden Schlaf Minimumm, davon eine nachmittags) einpassen, und es ist ja nicht gerade leichte Unterhaltung sondern ich wollte beim Lesen denkfähig sein.

Wie war es doch? Da sitzt jemand auf dem Stuhl Petri und wirft Wortmassen wie ein ganzer Felsensturz auf das Leben eines gewöhnlichen Laien, der sich irgendwie durch die Fels- und Erdmassen graben muss, um selbst einen Überblick zu bekommen zwischen sich widersprechenden Pressemeldungen und interpretierenden Äußerungen von Bischöfen und Theologen, die diametral von einander abweichen, in allgemeinem Chaos und zunehmender Verwirrung?

Ach, hab ich da jetzt aus Kapitel 8 falsch zitiert?

Nein, es hilft auch nicht, dass auf dem ganzen überall groß und dick und wiederholt "Barmherzigkeit - dies hier ist Barmherzigkeit - und zwar die einzig gültige Version davon!! Niemand sonst versteht, was Barmherzigkeit ist!" steht. Oder um das an anderer Stelle zu paraphrasieren: "Kleriker haben ja alle keine Ahnung von der normalen Lebenswelt der Menschen. Außer mir. Ich bin zwar auch Kleriker, sogar der Chef aller katholischen Kleriker, der absolut nichtklerikale Oberkleriker sozusagen, aber auf mich trifft das nicht zu. ICH weiß, wie ein normaler Katholik sich durchschlagen muss. ICH bin immer verständnisvoll und barmherzig außer es geht um Katholiken, die einwenden: "Aber Jesus hat doch gesagt, ..." Die leiden alle an unbarmherziger Moralhörigkeit. und denen muss man gehörig Bescheid sagen, dass sie so etwas mal schön bleiben lassen sollen."

Ich bin wirklich kein Kleriker Ich lebe nicht in der geschützten Welt moralphilosophischer Diskussionen über recht und unrecht. Ich lebe inmitten einer Welt, der Christus nicht oder nicht besonders wichtig ist. Ich habe jede Menge Bekannte und Freunde, die in "irregulären Situationen", ach Quatsch, die in inzwischen völlig als regulär betrachtet und akzeptierten Verhältnissen leben, die ganz objektiv in sich sündhaft (wenn auch gesellschaftlich salonfähig) sind, sündhaft in dem Sinne, dass ein Festhalten an diesem Status Quo und ein vermeintlich barmherziges Umarmen derselben den Keil zwischen ihnen und Jesus immer weiter treiben wird (Sünde = sondern, sich von Gott entfernen). Das sind Leute, die ich mag und die in vielem gesunde und in sich gute Ansichten haben, Leute, die ich persönlich sehr schätze und die mir so wertvoll sind, dass ich sie nicht belügen werde, und ihnen versichere, etwas sei in bester Ordnung, was ihre Beziehung zu Gott gefährdet oder tötet. Oft kennen sie ihr Problem und sind sich klar darüber, dass es ein Problem ist. Und genau dieses Wissen verhindert, dass die unter Umständen schwere Sünde tatsächlich zur ewig tödlichen Sünde wird, was sich einfach ausdrücken lässt mit: "Ich weiß, was ich tue, ist nicht, was objektiv gut und von Gott gewollt ist. Aber ich bin nicht stark genug, es besser zu machen und versuche das, was schuldhaft ist, in der Lage gering zu halten und hoffe für den Rest auf Vergebung." Genau das ist die Haltung, die die Möglichkeit zur Läuterung (-> purgatio) offen hält und ein Wachstum in Christus hinein ermöglicht.

Mir fiel in diesem nachsynodalen Schreiben auf, dass die sogenannte "Barmherzigkeit", die dort postuliert wird, die aber in einigen Aspekten eine wohlmeinende Lüge zu sein scheint, stets als Alternative zu Moralismus genannt wird. Nun ist ja Moral keine schlechte Sache und es ist wohl so, dass vieles von dem, was die Nachfolge Christi verlangt, auch moralisch gewöhnlich gut geheißen wird (je nach der dominierenden Moral, es gibt Moralethiken, die chrisltiches Denken verurteilen). Aber Moral ist für uns als Christen letztendlich sekundär, wenn nicht noch von geringerem Range. Unser Maßstab ist eine Person, nämlich Jesus Christus. Und das Maßnehmen an Jesus Christus vermisse ich in dem Dokument sehr. Gewiss, er wird gelegentlich erwähnt. Aber, dass sein Leben und Sterben der gelebte Verzicht darauf war, eigenes Wollen und Wünschen durchzusetzen und ein Aufgehen darin, ganz den Willen des Vaters zu erfüllen, das wird nicht erwähnt. Dass es für jeden letztendlich nötig ist, sein Kreuz auf sich nehmen, dem eigenen Wollen und Wünschen zu sterben und sich hinzugeben für das, was Gott will - das fehlt. Und oft - nicht immer - oft, fehlt gerade das bei den "irregulären Situatione", die doch inzwischen völlig die Regel sind. Hier mangelt es oft an dem Willen zu sagen: "Ich habe - auch aufgrund meiner eigenen Entscheidungen - hier ein Kreuz zu tragen und ich nehme es an, auch wenn es weh tut." Stattdessen heißt es: "Gib mir das Schmerzmittel der Pseudo-Barmherzigkeit, damit ich nicht mehr fühle, dass da ein Kreuz auf mir lastet. Gesundwerden ist nicht wichtig, Schmerzvermeidung ist alles."

Insbesondere jedoch vermisse ich in dem Dokument klare Worte über das Versagen der Kirche gerade in den europäiichen und amerikanischen Ländern, das Evangelium wirklich zu verkündigen. Die oft fast ganz fehlende und äußerst mangelhafte Katechese die dazu führt, dass inzwischen ganze Generationen von Getauften aufgewachsen sind, für die die Religion eines von vielen Vehikeln zum Wohlfühlen darstellt, die weder ernsthaft an ein ewiges Leben und die Auferstehung glauben, für die Jesus ein netter Mensch ist, der vor 2000 Jahren gelebt hat und der wollte, dass alle sich einfach gut fühlen können und nicht mit der Anforderung, an sich arbeiten zu müssen, behelligt werden. Voller Kinder, die nach der Erstkommunion möglicherweise wieder zu ihrer Firmung und noch unwahrscheinlicher zu ihrer Eheschließung in einer Kirche auftauchen, weil sie gerne dieses dekorative Element und die Zusicherung eines Segens, dass sie alles genau richtig machen, hätten. Länder, in denen die Teilnahme an der Eucharistie so irrelevant geworden ist, dass die Teilnahme daran zum Teil unter 10 Prozent gesunken ist. Mit Menschen, die nur einmal im Jahr - aus diversen Gründen - an einer Messe teilnehmen möchten und dann natürlich unbedingt auch dieses Brotstück abbekommen wollen, weil das doch alle bekommen, weil sie ja schließlich dafür Kirchensteuer zahlen und das ihr gutes Recht ist und da es ja irgendwie ein geistliches Stärkungsmittel sein soll, das man gerne mitnimmt, aber bitte ohne Hinweis, dass man damit angeblich erklärt, wie Christus sein Leben ganz in den Dienst das Reich Gottes zu stellen und eigene Wünsche zurückzustellen.

Ich vermisse da ein Schuldbekenntnis des verantwortlichen Oberklerikers und einen Appell, die Katechese mit allen Mitteln neu zu überdenken und diese üblen Zustände zu beheben.

So wie es ist, werden alle nicht nur weiterhin allein damit gelassen, herauszufinden, was überhaupt denn christliches Leben ausmacht, sondern es wird noch zusätzlich Verwirrung und Orientierungslosigkeit erzeugt. Menschen wissen nicht mehr, an was sie sich noch orientieren sollten und verlieren dadurch die Hoffnung oder das, was ihnen bisher die Kraft gab, an sich zu arbeiten.

Da nützt es auch nicht, dass im gleichen Dokument ein paar recht hübsche - aber nicht neue und in entsprechender Literatur besser und exakter ausgeführte - Überlegungen zur christlichen Liebe stehen. Wobei die Caritas nur verengt auf die eheliche Liebe betrachtet wird. Und ich habe den Verdacht, dass Augustinus das von ihm verwendete und sehr spezifisch angewandte Zitat mit einem seiner längeren Briefe beantworten würde, in denen er klar stellen würde, was er damit ausdrücken wollte und was nicht. Er war in dieser Hinsicht nämlich sehr exakt und präzise.


Anschauliche Liturgie

Inzwischen sind wir mitten in der Osterzeit. Es war allerdings am Karfreitag, an dem ich die Passion einmal ganz anders meditieren konnte. In der Karwoche war eine schon sehr lange Ischialgie akut geworden, was meine ohnehin vorhandene Gehbehinderung noch verstärkt. Ich hatte schon länger geplant, wie ich wenigstens am Karfreitag an einem Gemeindegottesdienst teilnehmen kann, da das weder für Gründonnerstag noch Osternacht möglich war. Ich wollte zu einem befreundeten Pfarrer, gut 50 km weiter weg. Ich startete pünktlich, aber irgendwie waren Reitpferde auf die Autobahn geraten und mussten eingefangen werden. Ankunft also stark verspätet bei Regen und Wind.

Tja, ich hatte ja schon die ganze Fastenzeit nicht fasten dürfen wegen der Zytostatikabehandlung für mein Rheuma und weil ich daher ein Minimum an Schokolade zu brauchen scheine, um über die Runden zu kommen und dabei noch abnehme. Karfreitag wenigstens hatte ich strikter angehen wollen. Ein Fehler. Ich stieg auf dem öffentlichen Parkplatz in Nähe der Kirche aus dem Auto.und kippte sanft nach hinten gegen das Nachbarauto. Kreislaufschwäche. Nichts passiert, außer dass ich neben dem Auto kniete, dessen Einstieg etwas zu hoch ist, als dass ich bei meiner noch sehr ausgeprägten Muskelschwäche ein Knie hätte darauf platzieren können. Auf dem Rücksitz lag ein Stück Styroporplatte, das mir hätte helfen können, nur wie daran kommen? Es regnete ja und der Parkplatz war menschenleer. 50 m weiter weg ein Weg und Leute. Aber mein Rufen war wohl nicht laut genug und mein Winken wurde mit verwirrten Blicken und Weitergehen quittiert. Nach 20 Minuten schaffte ich es die hintere Tür aufzubekommen, die Styroporplatte zu greifen und mich dann hochzustemmen. Zustand nass,durchfroren, ziemlich angeschlagen und mit dringenderem Bedarf nach einer Toilette aber konnte keine finden.

Ich erreichte die Kirche zu den Fürbitten und beschloss durchzuhalten. Etwas erholte ich mich. Es war nur recht kalt, Heizung wird ja gespart. Direkt nach dem Gottesdienst Beichtangebot. Darauf hatte ich auch spekuliert, denn mit dem irgendwohin fahren und weit laufen, um eine Möglichkeit in der Stadt zu erreichen, sah es schlecht aus. Vor mir nur zwei alte Damen. Prima, dachte ich. Die erste brauchte eine gute Viertelstunde. Kein Thema, obwohl die Blase drückte. Nur die Kirche raus hätte ich Stufen runter gemusst und wusste noch nicht, ob ich die schaffe. Also durchhalten! Zweite alte Dame. Viertelstunde, halbe Stunde, drei Viertelstunden ... Ich sprach die Organistin an, die noch in der Kirche betete, ob sie mit mir zur Toilette im Pfarrhaus gehen könne, weil ich mich nicht gut fühlte. Das machte sie. Und dann passierte es an der Treppe. Die unterste Stufe war am Geländer sehr hoch auf unebenen Boden. Ich ging schon vorsichtsweise rückwärts. Aber Regen und Kälte hatten die Ischialgie wohl verstärkt, der Kreislauf war eh noch wackelig - und da lag ich . Diesmal war wenigstens ein starker Mann in der Nähe, der mich erst einmal auf einen herbeigeholten Stuhl setzen konnte - es goss immer noch und am Fuß der Treppe stand eine Wasserlache - und mir dann half ins Pfarrhaus zu gehen. Ab da dann kein Probleme mehr,  und ich habe es dann später auch geschafft, nach Hause zu kommen. Nur am nächsten Tag habe ich mich erstmal die eigene Treppe kaum hinunter getraut. Die Ischialgie ist nun vier Wochen aktiv und heilt sehr langsam ab.

Das war also in diesem Jahr einmal ein ganz neuer Ansatz, die Passion zu meditieren ....

Freitag, 26. Februar 2016

Jesus-Reliquien

Hier passend nicht nur zur Fastenzeit der Link zu einer pdf-Datei, verfasst von Josef Läufer, Pfarrer im Ruhestand aus dem Bistum Freiburg: http://www.heiliges-antlitz.de/Dokumente/VoltoJesusReliquien.pdf.
Dort listet er mit Fotos und Erläuterungen Reliquien auf, die möglicherweise aus der Zeit Jesu stammen und mit seiner Person verbunden sind. Viele davon sind im deutschsprachigen Raum zu finden.

Ich stieß auf die Datei, da jemand über die Google-Suche nach der Jesus-Tunika von Argenteuil wohl auf meinen Blog verwiesen worden war und möchte sie auch meinem kleinen Leserkreis so bekannt machen. Die Auflistung ist wohl nicht ganz vollständig aber sicherlich eine gute Übersicht.




Donnerstag, 25. Februar 2016

Ach ja, schön wär es

Für die Fastenzeit ist auf facebook die Seite "Bistum Gnadensuhl" gestartet. Ich verlinke nicht, da nicht jeder sie dort einsehen kann. Wer Interesse hat, kann sie von seinem Account mit diesem Stichwort aufrufen. Dort findet sich ein Interview des dortigen fiktiven Bischofs. Einen Augenblick hatte ich ja die - sehr illusorische - Hoffnung ein tatsächlicher Bischof deutscher Sprache habe einmal so gut geantwortet. Lesen Sie selbst den kleinen Ausschnitt:

Presse:  Herr Bischof, halten Sie es für denkbar, dass…

Bischof Oesterhagen: Ja!

Presse:  Entschuldigung? Äh.. halten Sie es für denkbar…

Bischof Oesterhagen: Ich sagte doch: Ja. Auf jeden Fall.

Presse:  Aber Sie kennen die Frage doch noch nicht.

Bischof Oesterhagen: Muss ich das? Können Sie sich eine Frage ausdenken, die nicht denkbar ist? „Denkbar“ ist alles, und entsprechend wird in der Presse auch alles daraus gemacht, wenn man etwas für „denkbar“ hält. „Bischof Oesterhagen hält es für denkbar, dass…“ – nein, danke. Ich vermute allerdings, Sie wollen mich nach einer Zustimmung oder Einschätzung fragen.

Hmmm, vielleicht könnte jemand das dem Heiligen Vater als Vorlage für seine Flugzeug-Pressekonferenzen schicken? ;)